Bücher - Schreiberei

Kolumnen für das Stadtjournal

Hier finden Sie die Kolumnen, die ich regelmäßig für das Pattenser Stadtjournal schreiben darf. Sie greifen politische, zeitgeschichtliche oder regionale Geschehnisse, Großes, Kleines und auch vollkommen Banales auf. Viel Freude beim Lesen.


August 2018 - Was für ein Sommer!

Boah! Was für ein Sommer! Oder!? Abgefahren, nicht wahr!? Überall kann man es hören, lesen, sehen und fühlen. Alle, wirklich alle, reden darüber. So einen Sommer haben wir lange nicht erlebt. Wenn überhaupt schon mal! Ich selbst kann mich jedenfalls an einen solchen Sommer nicht erinnern. Nicht in der Intensität, nicht mit solchen Extremen. Sicher, es gab schon immer mal einen Sommer, der anders war als andere. Aber dieses Jahr? WAHNSINN! Der reine Wahnsinn! Oder können Sie sich an einen derart extremen Sommer erinnern?

Kramen Sie gar nicht erst in Ihrer Erinnerung! Ich weiß: 1959 war so einer, 1973 war so einer und auch in den Jahren 2003 und 2013 gab es solche Hitzerekorde. Ich weiß. Aber ich rede gar nicht vom Wetter. Überhaupt nicht. Es gibt nämlich nichts Dümmeres, als das Wetter zu kommentieren. Das ist ja sowieso da. Ob Klimawandel oder nicht. Ob menschengemacht oder natürlich. Nein, ich rede nicht vom Wetter.

Ich rede von dem, was gerade um uns herum geschieht. Ich rede nicht von der Hitze, sondern von der Hitzigkeit, mit der in diesen Monaten über bestimmte Fragen der Politik diskutiert, nein, mit hassverzerrter Fratze polemisiert und herumgeschrien wird. Von fast allen Seiten. Da zieht eine Sprache in die öffentliche Diskussion ein, die ich bisher nicht für möglich gehalten habe. Das betrifft die große Weltpolitik, in der der Hass das große Wort führt, genauso wie die hiesige und so leidige Auseinandersetzung um die richtige Flüchtlingspolitik, den Klimawandel, Pflege, die vergeigte WM, die Causa „Özil“, bezahlbares Wohnen oder was es auch sei. Hier ist nicht genug Platz, um das alles aufzuzählen. Sie wissen wahrscheinlich selbst, worum es geht. Mit politischer Streitkultur, mit sachlicher Diskussion oder inhaltlicher Debatte hat diese Sprache nichts mehr zu tun. Sie ist auch der immensen Bedeutung dieser Themen völlig unwürdig. Und damit erweisen sich auch die Sprecher dieser hasserfüllten und „fake-news“-geschwängerten Sprache als vollkommen unwürdig. Und damit eben auch als vollkommen unfähig, auch nur eines dieser Probleme zu lösen. Große Klappe und nichts dahinter, hat meine Oma immer gesagt. Recht hat sie. Hass hat noch nie irgendein Problem gelöst. Polemik auch nicht. Abschottung und Egoismus auch nicht. Solidarität, Empathie und Nächstenliebe schon. Sachliche Analyse und Weitblick auch. Und auch Herzenswärme und eine angemessene Form der Sprache.

Wenn wir davon mehr hätten, dann wäre dieser Sommer nicht nur heiß, sondern eben auch warm. Das wünschte ich mir!


März 2018 - Endlich Frühling

Naja, wenn ich ehrlich bin, dann ist da wohl eher der Wunsch der Vater des Gedankens. Klar, es gab schon ein paar schöne Tage. Tage, an denen sogar ein wenig die Sonne schien. Tage, an denen sich das Thermometer über die 15 Grad-Marke mühte. Und auch der Winter zeigte sich in den letzten Wochen mal von seiner schönen Seite. Klirrende Kälte, herrlicher Sonnenschein und eine zart übergepuderte Landschaft. Immerhin! Aber so ganz doll war das bisher nicht. Der Winter war insgesamt zu nass, zu dunkel, zu hässlich. Und auch der Frühling hat sich – von den paar schönen Tagen einmal abgesehen – noch nicht so recht aus seinem Winterschlaf hervorgewagt. Von Aufbruch oder Neuanfang ist jedenfalls noch nicht viel zu sehen. Zu bleiern liegt der nur langsam vergehende Winter noch über dem sich anbahnenden Frühling. Aber noch habe ich die Hoffnung nicht aufgegeben. Das wird hoffentlich noch.

Seit Kurzem – wer hätte das gedacht - haben wir auch wieder eine Regierung. Haben Sie es bemerkt? Haben Sie überhaupt bemerkt, dass wir seit Monaten (genau 171 Tage) keine Regierung mehr hatten? Also keine reguläre, sondern nur eine sogenannte geschäftsführende Regierung. Aber nun endlich haben wir wieder eine handlungsfähige und rechtmäßige Führung. Jetzt wird bestimmt alles gut. Jetzt geht die neue Regierung bestimmt tatkräftig zu Werke und wird für einen richtigen Neuanfang sorgen. Mit frischer Kraft, mit neuem Elan und Schwung. Für Frieden, Freiheit, Wohlstand und sozialer Gerechtigkeit. Mit schneller Digitalisierung und einer grundlegenden Reform unserer Sozialsysteme. Ganz bestimmt. Hoffe ich.

Wenn ich mir allerdings die neue „alte“ Regierungsmannschaft ansehe und deren – zumindest bei einigen – müden Gesichter sehe, dann kommen mir doch erhebliche Zweifel, ob das mit dem Neuanfang tatsächlich etwas werden kann.

Dann beschleicht mich das ungute Gefühl, dass es mit der neuen Regierung genauso weitergehen könnte, wie es mit der alten aufgehört hat. Und das fühlt sich für mich so ähnlich an, wie meine verzweifelte Hoffnung auf einen schönen Frühling. Denn ich befürchte, dass es auch damit nichts wird, dass auch das Wetter bleibt, wie es war. Nass und grau.

Aber die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt.

Herzlichst Harry Flatt-Heckert


Februar 2018 - Valentinstag: Blumen für "die" Frau

„???“, habe ich gedacht, als ich von der Redaktion des Stadtjournals den Auftrag bekommen habe, eine Kolumne zum Thema Valentinstag zu schreiben. Valentinstag. Das war noch nie mein Tag. Ich konnte damit bisher einfach nichts anfangen.

Klar, gehört habe ich auch schon davon. Der Tag der Liebenden. Irgendwie angeblich vom Blumenhandel erfunden, um den Umsatz anzukurbeln. Hmm, aber da muss es doch noch einen anderen Hintergrund geben, oder?“ Ich habe dann meine Frau gefragt, ob sie vielleicht wüsste, was es mit diesem Valentinstag auf sich hätte. Da sie mir aber nicht gleich geantwortet hat, habe ich erst einmal Tante Google gefragt. Dabei bin ich auf Folgendes gestoßen:

Der heilige Valentin lebte im dritten Jahrhundert nach Christus im heutigen Italien. Er war bekannt dafür, dass er Paare mit Blumen aus seinem Garten beschenkte. Vor allem aber vermählte er Verliebte nach christlicher Tradition - womit er gegen das ausdrückliche Verbot des römischen Kaisers verstieß. In der damaligen Zeit durften Paare nicht kirchlich heiraten, weil das Christentum als Religion verboten war. Obwohl Valentin auch beim Kaiser Claudius II. ein hohes Ansehen gehabt haben soll, konnte er der härtesten Strafe nicht entgehen. Weil er es sich nicht verbieten lassen wollte, seine Religion auszuüben, wurde er am 14. Februar 269 in Rom hingerichtet. Etwa 100 Jahre später wurde Valentin heiliggesprochen. Im Jahre 496 nach Christus, also 200 Jahre nach Valentins Tod, erklärte Papst Gelasius den 14. Februar zum "Valentinstag".

Und während ich so über den geschichtlichen Hintergrund dieses seltsamen „Feiertages“ nachsinne, kommt meine Frau ins Büro und beantwortet völlig unvermittelt meine Frage vom Beginn: „Der Valentinstag ist dazu da, dass „die“ Frau Blumen bekommt.“ Auf meine Nachfrage: „Sonst nix?“, sagt sie: „Nee. Sonst nix.

Aha, dachte ich. Manchmal ist es ganz einfach. Einfach öfter mal „die“ Frau fragen.

Herzlichst Harry Flatt-Heckert


September 2017 - Bundestagswahl

Haben Sie es sich schon in den Terminkalender eingetragen? Den 24. September 2017? Nicht? Dann wird es aber Zeit. Denn diesen Tag dürfen Sie auf keinen Fall ungenutzt verstreichen lassen. Es ist schließlich Bundestagswahl.

Wie bitte? Sie denken, das bringt doch nix? Die Wahl ist doch jetzt schon so gut wie gelaufen? „Mutti“ wird am Ende ja doch wieder gewinnen und noch einmal für vier Jahre Kanzlerin sein? Schulz chancenlos? Ja, kann sein. Wenn man den einschlägigen Umfragen so glaubt, dann scheint die Wahl in der Tat schon entschieden zu sein. Und wahrscheinlich denken Sie auch noch, dass es ja sowieso völlig egal ist, wer an der Macht ist. Schwarz, rot, gelb, grün, es ist doch alles das gleiche. Politischer Einheitsbrei, der nichts zum Besseren wenden wird. Kann auch sein. Stimmt vermutlich sogar.

Aber Sie sollten dennoch zur Wahl gehen. Unbedingt sogar.

Denn wenn Sie es nicht tun, diejenigen, die sich radikalen und extremistischen Parteien verschreiben, die tun es. Mit Sicherheit. Jeder Nichtwähler macht die Parteien an den extremen Rändern der freiheitlichen Demokratie stärker. Wenn nur fünf Prozent der Bevölkerung z.B. die unsägliche AfD wählen würden, aber die Wahlbeteiligung bei nur fünfzig Prozent liegt, dann bekämen die neuen Braunen schon zehn Prozent. Lassen Sie das nicht zu.

Und solange noch irgendwo auf der Welt Menschen verhaftet, gefoltert oder getötet werden, weil sie für ein allgemeines und freies Wahlrecht kämpfen, ist mir unser Wahlrecht eine Wahlpflicht. Und eine Herzensangelegenheit.

Also, raffen Sie sich auf!

Herzlichst Harry Flatt-Heckert


Juli 2017 - Wo, bitte, bleibt das Sommerloch???

Mein Gott, was habe ich mich zu Beginn des Sommers auf dieses legendäre und so verheißungsvolle Loch gefreut. Nach dem so turbulenten Frühjahr hatte ich das auch bitter nötig. Ruhe. Einfach nur Ruhe und gähnende, aber darum auch so erholsame Langeweile. Die Welt fällt mit den Ferien in eine weltpolitische Siesta und lässt meine gestresste Psyche einfach mal in Frieden.

Meine Güte, in den ersten sechs Monaten dieses Jahres ging es ja auch wirklich hoch her, wenn nicht sogar geradezu dramatisch zu. Was war nicht schon alles passiert: Die größte Amtseinführung des allergrößten und großartigsten Präsidenten, den die Welt jemals gesehen hat, ever! Die Wahlen in den Niederlanden und Frankreich, die der EU nur um Haaresbreite eine rechtspopulistische und rechtsnationale Wendung erspart haben, das Referendum des selbsternannten und -herrlichen Sultan Erdogan in der Türkei, der nicht enden wollende Krieg in Syrien und was weiß ich nicht alles. Im Höllentempo auf der weltpolitischen Rasierklinge reitend durch das Frühjahr. Ich hätte ein bisschen Ruhe und Verschnaufen wirklich gut gebrauchen können. Oh, komm, du Linderung verheißendes Sommerloch und gewähre der gepeinigten Seele und der geschundenen Vernunft ein wenig Labsal! Denkste! Und dabei ist nicht einmal Fußball-Weltmeisterschaft oder Olympiade.

Denn statt der wohlverdienten Ruhe nach dem politischen Sturm jagt ein Aufreger den nächsten. Der G20-Gipfel mit seinen gewalttätigen Krawallen und seinen politischen Enttäuschungen, die beginnenden Brexit-Verhandlungen, die zunehmenden Spannungen mit der Türkei nach den jüngsten Verhaftungen, der beginnende Wahlk(r)ampf in Deutschland, der Zickzack-Sommer mit seinen Wetterkapriolen.

Wenn das die Ruhe des Sommerlochs war, dann möchte ich nicht wissen, wie dann ein heißer Herbst aussehen mag.

Aber vielleicht beruhigt sich ja auch alles wieder ein wenig und wir verschieben die Ruhe des Sommerlochs einfach in den Herbst. Schön wäre es. Und nötig habe ich das im Herbst bestimmt auch noch.

Es grüßt Sie herzlich

Harry Flatt-Heckert


Juni 2017 - Erlebnistag in Pattensen

Erlebnistag???

Als ich meinem Jüngsten gefragt habe, ob er zum Erlebnistag am 18. Juni wohl von seinem Studienort nach Hause kommen würde, guckte er mich erst leicht fragend an und schüttelte dann vehement und sehr bestimmt den Kopf: „Erlebnistag??? In Pattensen???“ Ich nickte selbstzufrieden. „Was soll es in Pattensen denn schon Aufregendes zu erleben geben?“, konterte er meine Selbstzufriedenheit mit leicht verächtlichem Unterton.

Mit dem O-Ton der Überzeugung hob ich an und sagte: „Wieso? Hier ist doch immer eine Menge los!“ Er guckte mich immer immer noch fragend, aber mittlerweile auch zunehmend skeptisch an. „Was, bitte schön, ist hier denn so genau los?“, versuchte er mich herauszufordern.

Ich überlegte einen Moment. Gut, dachte ich mir, einen Zwanzigjähren, der Studentenpartys, die Kieler Woche, Hanse-Sail und die großen Sommer-Events an der Ostsee gewöhnt ist, bräuchte ich mit Schützenfest, verkaufsoffenem Sonntag und Kinderkarussell auf dem REWE-Parkplatz wohl kaum zu kommen. Damit konnte ich ihn vermutlich nur schwer von den sonnigen Stränden und den Verlockungen einer studentischen Großstadt hervorlocken.

Statt ihm zu antworten, kramte ich angestrengt in meinen Gedanken. Erlebnistag. Etwas erleben. Ich fragte mich, was ich denn selbst eigentlich von einem solchen Tag erwarte?! Was will ich denn an diesem Tag erleben?

Und dann kam mir der Gedanke, dass der Begriff „Erlebnis-Tag“ vielleicht ja doch einfach etwas zu hoch gehängt ist. Ich möchte vielmehr schauen, sehen und schmecken, was die Menschen unserer kleinen Stadt so machen, womit sie sich beschäftigen und was die Gewerbe-, Handel- und Kunsttreibenden, was die Vereine und Verbände den Bürgerinnen und Bürgern in unserem Lebensraum bieten. Ich bin darauf gespannt, zu sehen, was hier los ist und erwarte nicht, dass hier „etwas“ los ist.

Ja, ich möchte erleben, wie bunt, vielfältig und interessant unsere Stadt ist. Ich werde mit meinen Büchern auch dabei sein. Vielleicht kennt die jemand ja noch nicht. Dann kann der oder die etwas „erleben“, denn ich werde sie auch vorstellen.

Ich freue mich darauf. Auch, wenn ich meinen Jüngsten damit dennoch nicht in seine „Heimat“ locken kann. Denn an dem Wochenende beginnt ausgerechnet die „Kieler Woche“. Und da ist richtig was los!

Herzlichst

Harry Flatt-Heckert


April 2017 - Ist mir schlecht!

Als ich vor vier Wochen die Kolumne „Nee, ne“? für das Stadtmagazin geschrieben habe, da dachte ich noch, na, die werden sich alle schon irgendwie wieder beruhigen. All die Le Pens, Petrys, Trumps, Putins, Mays und Erdogans. Die können das doch nicht ernsthaft dermaßen auf die Spitze treiben, dachte ich, dass alte, bewährte und eigentlich gut funktionierende Allianzen und Bündnisse auf dem Altar eines persönlichen und krankhaften Narzissmus geopfert werden würden. Heute, einen Monat später stellen wir irritiert fest: Doch, sie können! Und sie tun es auch. Was wir in diesen Tagen erleben, sprengt alle Grenzen meiner bisherigen Vorstellungskraft.

Der irrwitzige Streit, den der türkische Staatspräsident Racep Tayyip Erdogan mit den Niederlanden und der gesamten EU gerade vom Zaun bricht, um seine höchst umstrittene Verfassungsreform durchzudrücken, die nur ihm selbst Vorteile bringt, steht nur exemplarisch, wenn auch besonders leuchtend, für diese beängstigende Entwicklung. Nach dem Motto: „Und wenn die ganze Welt daran zerbricht, ich werde siegen und der Welt meinen Willen aufzwingen.“

Wer nicht ganz blind ist, sieht sehr klar – und dennoch ungläubig -  wie bewusst und zielstrebig Stufe um Stufe der Eskalationstreppe genommen wird, wie dreist und falsch geschichtliche Fakten verdreht, vermurkst und erfunden werden.

Wozu das alles? Nun, mit politischer Vernunft hat das alles nichts zu tun. Es stehen nicht einmal nationale Interessen hinter diesem Treiben, sondern allein das persönliche, von krankhaftem Ehrgeiz getriebene und zerfressene machtpolitische Kalkül einzelner Größenwahnsinniger.

Dumm nur, dass gerade diejenigen, die am meisten unter den verquasten Machtansprüchen ihrer politischen „Führer“ leiden werden, am ehesten auf sie hereinfallen. 

Es werden die in der Türkei lebenden Türken sein, die am deutlichsten zu spüren bekommen werden, was das von Erdogan gewollte Referendum für sie bedeutet: Das Ende einer parlamentarischen Demokratie, das Ende von Rechtsstaat und Meinungsfreiheit. Das ist ja schon allerorten zu sehen.

Es werden die Amerikaner sein, die am schmerzhaftesten erleben werden, dass Trumps „America first!“ sie selbst in die Isolation führen wird.

Die Briten begreifen langsam, was Johnson ihnen mit seinem völlig idiotischen Brexit angetan hat, aus dem es nun aber keinen Weg mehr zurück zu geben schein. Die Franzosen werden lernen, dass Le Pen vielleicht in die Geschichtsbücher eingeht, die aber ohnehin schon desolat dastehende Wirtschaft vollends an die Wand fahren wird, wenn es auch noch zum, von Le Pen angestrebten „Frexit“ kommen sollte.

Von den abstrusen Absichten eines Geert Wilders in den Niederlanden, eines Jaroslav Kaczynski in Polen, eines Viktor Orbans in Ungarn, eines Wladimir Putins in Russland oder einer Frauke Petry in Deutschland will ich gar nicht mehr reden. So einen „Heilsbringer“ hatten wir hier ja auch schon mal. Und wozu das führte, sollte noch jedem klar vor Augen stehen.

Gott, ist mir schlecht!

Harry Flatt-Heckert


März 2017 - Nee, ne?!

Man reibt sich ja dieser Tage etwas ungläubig die Augen. Eine Nachricht jagt die nächste, Wahrheiten oder zumindest wahrheitsnahe Meldungen lassen sich kaum noch von Fake-News oder „alternativen Fakten“ unterscheiden. Auf jede überprüfte und als falsch eingestufte Meldung folgt ein Dementi, auf jedes Dementi folgt eine neue Behauptung. Meist noch abstruser als die erste Behauptung.

Mir dreht sich jedenfalls schon alles. Der amerikanische Präsident, gemeinhin als der mächtigste Mann der Welt benannt, twittert munter und völlig ungehemmt Lügen und Falschmeldungen in die Gegend und macht sich unter den ungläubigen Blicken der Welt zum Vollpfosten. Wäre es nicht so traurig, so könnte man es für Slapstick halten. Aber leider ist das keine Comedy, das ist politische Realität. Und darum ist das auch nicht nur traurig, sondern eben auch gefährlich.

Aber nicht nur in den USA sitzt ein unsäglicher – und wie ich finde – auch ungemein dummer Menschen an der Macht, sondern auch hierzulande machen sich eben jene laut, die meinen, auf schwierige und komplexe Probleme vereinfachende und, schlimmer noch, verführende Antworten geben zu können. Hierzulande sind es die Populisten von der AfD, in Frankreich ist es Marine le Pen vom Front National, die lautstark Trump umjubelt und ihm gleich „Frankreich zuerst!“ krakeelt. In den Niederlanden ist es ein Geert Wilders, im Vereinten Königreich sind es die EU-Gegner, die ihr Land in die Isolation führen und so ließe sich die Liste fast endlos fortführen. Allerorten der Schrei nach „wir zuerst!“ und nach Protektionismus. Letztlich führt das zu zunehmendem Nationalismus in der Welt. Und wohin das führt, sollte uns allen noch deutlich, und vor allem mahnend vor Augen stehen. Ich möchte eine solche Welt nicht mehr und ich hatte auch gehofft, wir hätten die Zeiten, in denen die Völker der Welt aufeinander losgehen, hinter uns gelassen.

Zeigen wir denen, die Menschen gegeneinander aufhetzen, dass diese Hoffnung nicht vergebens war.

Herzlichst

Harry Flatt-Heckert


September 2016 - Sommer!

Tja, das war es wohl nun mit dem Sommer. Die Tage werden kürzer, die Ferien sind zu Ende und die Felder sind abgemäht. Auf die letzten Meter hat er sich ja noch mal ordentlich angestrengt und sich von seiner schönsten Seite gezeigt. Schön warm, nicht mehr so schwül und strahlend blauer Himmel. So, wie ich mir Sommer vorstelle und auch wünsche. Das war ja leider nicht den ganzen Sommer so. Irgendwie, so habe ich das empfunden, war das gar kein richtiger Sommer. Manchmal extrem heiß und schwül und am nächsten Tag ein Temperatursturz von bis zu zwanzig Grad. Für meinen Kreislauf waren diese abrupten Wechsel nix. Und ich habe diesen Sommer auch als besonders regenreich empfunden. Das kann natürlich subjektiv sein, aber meine Regenwassertonnen sprechen eine ähnliche Sprache. Sie sind nicht einmal leer gewesen. Vor allem die Heftigkeit der Regengüsse und der vielen Überschwemmungen macht mich nachdenklich. Dass es darüber hinaus der heißeste Sommer seit Aufzeichnung der Klimadaten war, bereitet mir ebenfalls Sorge. Sehen unsere Sommer in Zukunft immer so aus? Sind das schon die spürbaren Folgen des Klimawandels? Hier mögen sich die Auswirkungen ja noch in Grenzen halten, aber in vielen anderen Regionen unseres Planeten sind die Folgen jetzt schon sehr viel drastischer zu sehen. Das sollte uns aufmerksam werden lassen und uns die Augen dafür öffnen, dass wir mit dieser wunderschönen Erde vorsichtiger umgehen sollten. In unserem ureigensten Interesse. Denn der Erde ist der Klimawandel ziemlich wurscht. Sie hat schon ganz andere Katastrophen überstanden. Wir zerstören nicht die Erde, sondern unsere eigenen Lebensgrundlagen. Wie doof kann man sein?

Harry Flatt-Heckert